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Foren-Übersicht Ist das nicht ein schöner Pfeil :-) Reiseberichte Ist das nicht ein schöner Pfeil :-) sardinien - ein kontinent auf einer insel

sardinien - ein kontinent auf einer insel


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Marcello
Boardadmin

Beiträge: 880
Anmeldungsdatum: 09.02.2004 02:27
Verfasst am: 15.03.2005 15:16
Titel: sardinien - ein kontinent auf einer insel
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ok, dann fang ich mal an.
wie viele von euch bereits wissen habe ich wurzeln in italien, das kann man unter anderem auch an meinem namen ablesen

sardinien ist für die italiener sowas wie bei uns sylt, halt etwas für besserverdiener und das hat auch viele gründe:

in sardinien findet ihr mit die besten strände in europa, sanddünen wie in der sahara, (oft über 30m! hoch) und einen super breiten strand, verlassen wie im schlechten westernfilmen. sardinien ist allerdings auch etwas für individualreisende sowie für sportfreaks. mountain biking und surfen kann man prima, auch reiten und "um die wette essen"

ich fange mit der landschaft an, dann mit den menschen und dann werde ich mich weiter zu dem essen "vorarbeiten" und zwischendurch die tipps.
hier erstmal eine übersichtskarte:



wenn ihr einmal in sardinien gewesen seid, versteht ihr die legende der einwohner. demnach ist sardinien wie folgt entstanden:

als gott die welt erschuf, blieben nach getaner arbeit einige steine übrig.
er warf sie in das westliche mittelmeer und fügte, weil ihm sein werk so noch nicht gefiel, von jedem der anderen kontinente die besten dinge hinzu.
so entstand nach einer alten sardischen überlieferung die insel sardinien.
icon_wink.gif

diese insel empfängt gäste bereits bei der ankunft mit einem unvergleichlichen duft von rosmarin, thymian und oleander.
ob man mit dem flugzeug in cagliari oder der fähre in olbia ankommt, auf der weiterfahrt entfaltet sich der inselspezifische geruch noch intensiver.
beispielsweise an den kilometerlangen, feinsandigen stränden der costa rej im südosten, einer wahrhaft "königlichen küste"
ihr gegenstück im westen, die costa verde, kann mit meterhohen sanddünen aufwarten.
eine bucht für jeden geschmack und glasklares meer, bietet die als urlaubsort der reichen und schönen berühmt gewordene costa smeralda im nordosten (teuer).

sardinien ist ein wildes, dunkel-buschiges land, dem himmel ausgesetzt, dem meer und der sonne überlassen und wird auch oft als "kleiner kontinent" bezeichnet.
nach sizilien ist sardinien die 2. grösste insel im mittelmeer, rund umgeben von traumhaften stränden.

mit einer bevölkerungszahl von ca 1,6 millionen ist sardinien die am dünnsten besiedelte region italiens. fast ein viertel davon wohnt im großraum cagliari.
cagliari befindet sich im süden (siehe karte)
dort konzentriert sich industrie, handel usw. die hauptstadt cagliari hat ca 240.000 einwohner (hatte sie jedenfalls früher mal)

die zweitgrößte stadt mit 120.000 einwohnern ist sassari und liegt im norden der insel. der krümelige rest des einwohner-kuchens lebt überwiegend in dörfern und verteilt sich auf sagenhafte 24.089 km² - sodass man SEHR OFT ungestört ist *lach

während meine heimat italien unsere vorstellung einer klassischen kulturlandschaft geformt hat, merkt man auf einem blick den kontrast der kultur, die vermutlich sehr alt ist und im eigentlichen sinn nicht viel mit italien an sich zu tun hat
(selbst die sprache hat catalanische einflüsse - besonders im nord-westen)

überall sieht man die vielen tausend nuraghen-türme und auch das oft karge, felsige land scheint in eine ferne und mystische vorzeit zu verweisen.

die nuraghen sind die am höchsten entwickelten megalithbauten des westlichen mittelmeeres und bestehen aus einem sich leicht nach oben verjüngendem rundturm mit einem innenraum, der von einem “falschen gewölbe” überdeckt wird. nicht selten wurden die nuraghen im laufe der zeit zu komplexen festungsanlagen ausgebaut - sie stammen aus der bronzezeit.

es sind mehrere tausend jahre der menschheitsgeschichte an der insel vorbeigezogen, scheinbar ohne sie in ihrem wesen verändert zu haben.
irgendwo zwischen europa und afrika gelegen befand sich der fleck den man sardinien nannte, in geschichtlicher zeit stets am rande der abendländischen kulturen und weit davon entfernt eine seemacht zu sein.

die insel wurde quasi immer wieder von neuen bösewichten heimgesucht bzw. gegen ein belegtes pausenbrot eingetauscht ...
und obwohl die insel immer wieder von irgendwelchen herrschern regiert wurde, gelang es niemandem, von ihr wirklich besitz zu ergreifen
deswegen sind die sarden auch so, wie sie sind ...
ich werde diesbezüglich weiter unten darauf eingehen, wenn ich von den menschen rede

auf dieser herrlichen insel haben sich die phönizier, karthager, römer, araber, byzantiner und spanier angesiedelt:
sardinien hat diese verschiedenen einflüsse ausgearbeitet und in die eigene kultur aufgenommen, hat es aber nicht zugelassen, dass sein herz davon betroffen oder gar verändert würde, so wie das eigentliche herz sardiniens, das gebiet des gennargentu (heute nationalpark), den fremden immer unzugänglich blieb.

zur landschaft:
sardinien ist eine gebirgige insel, die im osten im gennargentu-massiv 1834 m höhe erreicht. nur im südwesten gibt es mit der fruchtbaren campidano-ebene ein grösseres flachland. während im westen der insel sanftes hügelland (und hohe wellen) landschaftsbestimmend ist, wird der osten von einem schluchtenreichen bergland eingenommen, das in einer schroffen felsküste zum meer abfällt.
im norden gibt es ausgedehnte korkeichenwälder (sowie im landesinneren), ansonsten überzieht das niedrige gestrüpp die insel. übrigens gibt es in sardinien wildpferde, ich glaube das ist in europa einzigartig - weiss es aber nicht genau.

grob lässt sich die insel wie folgt kategorisieren:

der wildromatische westen:
die costa verde (grüne küste) bildet mit ihren bis zu 50m hohen sanddünen die größte dünenlandschaft italiens. hier solltet ihr verweilen um die natur und die einsamkeit zu geniessen. diese landschaft ist einmalig.
im groben und ganzen kann man sagen das man hier richtig ist, wenn man hohe wellen mag, und wenn ich das sage, dann meine ich HOHE WELLEN !
wenn ihr surfen wollt, hier findet ihr mit diesen wellen eure gegner. ich habe es geliebt einfach in meinem haus zu sitzen und zu "schauen" - die entdeckung der langsamkeit...
überhaupt scheint hier die uhr irgendwie langsamer zu ticken und so kann es schonmal vorkommen das ihr auf eine bestellung im café ein paar minütchen länger wartet, weil der barista (der mann hinter der theke der für guten espresso verantwortlich ist) es nicht für nötig hält alles hinzuschmeissen weil kunden da sind. alles geht hier irgendwie seinen gang und wenn auf einem strassenschild eine entfernungsangabe in km ist, verlasst euch nicht drauf. wahrscheinlich nimmt man es nicht so "ganz genau"....
deshalb, vor allem hier im westen, IMMER volltanken (ich weiß wie es ist, mit leerem tank nur voranzukommen, weil man den berg runterrollen kann... an der tankstelle also immer PIENO sagen (vollmachen)

weil es hier besonders dünn besiedelt ist, ist das meer nur wenige schritte entfernt, und ein haus mit meerblick ist selbstverständlich (die sind alle am meer - sonst ist da ja nix)
das meer ist allerdings nicht so hell wie zb an der ostküste, das liegt einfach an der wildheit des meeres. es ist aber super romantisch und wer felsen und von wind gepeitschte wellen mag, dazu ab und zu ein licht das man denkt der himmel brennt, der ist hier richtig. müsste ich die stimmung mit einem film benennen fällt mir nur "der graf von monte christo" ein...

manchmal hab ich das haus abgeschlossen und bin erst in 2 tagen später wieder zurückgekehrt. am strand schlafen und ab und an hört man eine herde wild umherlaufender ziegen mit ihren glocken. das sternenzelt ist sehr klar wegen der luft und vor allem weil nirgends eine lichtquelle ist. sobald man sich daran gewöhnt hat, kommt man sich vor wie ein wolf
hier, im nichts, merkt man erst wie hell die sterne eigentlich sein können.

angst muss man alleine nicht haben, ich weiß das es anders ist wenn man eine frau ist, aber wenn ihr gut aufgepasst habt, habt ihr oben gelesen wie das mit der einwohnerdichte ist und weil die costa verde irgendwie überhaupt nicht besiedelt scheint, kann man ja die fläche durch die restlichen einwohner teilen.
die wahrscheinlichkeit genau nachts auf einer kohlenstoffbasierten humanoiden lebensform zu treffen, die nichts besseres zu tun hat als euch zu ärgern, ist wirklich sehr gering.
zumal diese person ja auch genau auf euch treffen muss, in all der wildniss ...

ich hatte überhaupt sehr oft das gefühl, das es mehr tiere gibt als menschen - zumindest was den westen betrifft.
ab und zu findet man wohnmobile, die rotten sich allerdings meist zusammen und belegen nur ein kleinen abschnitt. sardiniens strände bieten viele buchten, so könnt ihr durch steile küsten und große dünen geschützt euren eigenen strand entdecken. da sardinien ringsrum von strand umgeben ist, habt ihr ungeheuer viele hunderte von km strand, an denen ihr euch niederlassen könnt.

die costa verde ist das perfekte reiseziel für urlauber, die sich einen ruhigen, beschaulichen aufenthalt in herrlicher landschaft und an traumhaften stränden wünschen oder die einfach nur einen "ruhigen stützpunkt" brauchen um von dort ihre "expeditionen" mit dem auto unternehmen wollen. übrigens ist es hier sehr günstig, wenn ich mich erinnere habe ich für ein 2 stöckiges haus ca 300€ bezahlt oder vielleicht auch etwas mehr, aber nicht viel.
mit dabei war ein steinofen draussen (holz kann man überall umsonst bekommen) und eine richtig grosse terasse mit herlichem blick aufs meer. das haus war auf einer ca 70m hohen düne.

viel spass macht es auch, sich ein pferd zu mieten und auszureiten. endlose strände mit dem pferd, das bringts icon_wink.gif

auch kann ich jedem empfehlen sich ein motorboot zu leihen. ich hab glaub ich für 6 std 80 € bezahlt, ist ok denke ich. es gibt soviele grotten und höhlen, soviel zu entdecken. sardinien ist einfach etwas für leute die nicht unbedingt an einem fleck bleiben wollen bzw die wie ich gerne entdecken und die vielfalt lieben und davon hat die insel jede menge.
einige grotten sind nur bei bestimmen meereshöhen zu erreichen (ideal für schmuggler icon_smile.gif und wenn man den richtigen tiedenhub verpasst, muss man tauchen um wieder aus der grotte rauszukommen, weil das wasser gestiegen ist und den ausgang der höhle blockiert.

insgesamt bietet die costa verde die möglichkeit zu einem ruhigen, aber auf keinen fall langweiligen erholungsurlaub. wer dem alltagsstress von zu hause für einige zeit entfliehen möchten, sollte es wie ich machen, einfach seine zahnbürste einpacken und einer der schönsten regionen sardiniens einen besuch abstatten.

im nordwesten hab ich eine PFLICHTVERANSTALTUNG für euch!
alghero- welch traumhafte stadt ...
obwohl hier noch mehr catalanisch gesprochen wird, hab ich mich gleich zuhause gefühlt. diese stadt ist fast nur altstadt, genau so stellt man es sich zur piratenzeit vor. winzige gassen wo man einfach drängeln muss, dann alte schmuckläden die eine treppe weiter unten sind und eine superschöne spazier-meile rund um die festung.
die stadt an sich sieht vom meer aus wie eine festung und ist umgeben von alten mauern. am rathhaus ist eine super pizzeria (pizza kostet glaub ich nur 1.50€)
und man kann sich gleich 3 stück einpacken lassen und sich an dem tollen platz setzen. schräg gegenüber der pizzeria ist ein eisladen, der ist zwar teuer aber der schmeckt hammergut. dort gibt es auch eissorten die ich sonst nirgends sah (vollkorn-eis usw) auf jedenfall super lecker. von der pizzeria an der eisdiele vorbei, dann links und ihr seid gleich auf der haupt-flaniermeile mit all seinen hübschen shops. jetzt kann ich euch nicht mehr sagen wohin, weil alles labyhrintisch aufgebaut ist. ihr kommt immer von überall nach überall hin. es gehen immer irgendwelche seitengassen zu parallelstrassen. wenn ihr immer geradeaus geht, kommt ihr irgendwann ans meer, das geht dann die treppen runter und ihr seid ausserhalb der festung. am besten links halten, dann kommt ihr am segelhafen vorbei und dann kommt auch irgendwann wieder eine treppe die euch in die stadt führt. wenn ihr jetzt geradeaus geht, dann kommt irgendwann ein internet-cafe (ist auch günstig)
wenn ihr parken wollt, dann einfach in der innenstadt. ich will euch nicht zu kriminellen handlungen aufrufen, aber wenn ihr falschparkt und einen zettel bekommt (15€) einfach einen papierflieger draus bauen. erstens wird man als ausländer nicht belangt und zweitens schreiben die grundsätzlich nur touristen auf, ich habs selbst gesehen, ein sarde hat genau neben mir geparkt.

von alghero kommt ihr auch zu den bekannten capo caccia, einem 168 meter hohen felsen, der die zerklüftete steilküste abschließt.

vor allem solltet ihr mit der fähre die tropfsteinhöhlen ‘le grotte del nettuno’ besuchen. die fahrt mit der fähre kostete 8 euro oder so, jedenfalls ist es das wert, denn die fahrt mit dem schiff aleine dauert ca 1 std und man sieht sardinien wieder mal von einer anderen seite. die grotte an sich ist auch superschön, allerdings wird hier nochmal abkassiert. wenn ihr aber schonmal da seid, dann macht es dennoch. experten schätzen das ausmaß der naturhöhle auf etwa 4 km länge, doch nur wenige meter dieses ausgedehnten höhlensystems, mit seinen märchenhaft schönen tropfsteingebilden, mit seinen grotten und gängen, stalagmiten und stalagtiten die immer noch wachsen und mit seinem kleinen etwa 120 m langen salzwassersee, der mit dem meer verbunden ist, können mit einer führung besichtigt werden. wer kein italienisch kann, bekommt auch eine führung in englisch.
ob eine deutsche führung auch dabei ist, weiss ich nicht. jedenfalls habe ich selten solche farben gesehen (ausser in der blauen grotte auf capri)

in alghero kann man super alten schmuck kaufen.
besucht alghero, ihr werdet es nie vergessen oder gar bereuen !
es ist einer der orte wo ich vielleicht sogar mal 1 jahr oder länger leben würde.
diese stadt hat eine mittelalterliche ruhe, die uhren könnt ihr gleich wegschmeissen.

der noble (und teure) norden:
im nord-osten sardiniens liegt die hafenstadt olbia, wo für die meisten besucher die erste begegnung mit sardinien erfolgt. hier befindet sich einer der beiden wichtigsten flughäfen der insel und auch die meisten fähren, die vom italienischen festland kommen, steuern olbia an.

hier findet ihr vor allem die costa smeralda
und die trägt ihren namen smaragdküste zu recht.
tiefgrün bis türkisfarben leuchtet das meer in zahlreichen buchten mit feinen sandstränden entlang der zerklüfteten küste.
ich stand im wasser bis zur brust und konnte immernoch meine füsse sehen, super klar das sardische meer. soetwas habe ich nur im osten sardiniens nochmal gesehen (an der coasta rej)
wer viel geld hat, der kann es sich hier gut gehen lassen.
hier verkehrt die "oberklasse" und viele filmstars gehen hier ungekämmt ne tüte milch holen wenn sie morgens ihre cornflakes brauchen icon_wink.gif
überhaupt zählt diese region als einer der teuersten und besten segelreviere.
ab und zu kommt irgend ein arabischer prinz und lässt doch glatt den hafen umstreichen, weil die farbe nicht zu seinem schiff passt. nachdem er abreist wird wieder umgestrichen, mir haben sich die fussnägel hochgekrempelt als ich das mitbekommen hab ...

für mich ist es hier deutlich zu "konzentriert" und erinnert mich an die filmfestspiele in cannes oder an st.tropez ...

ausserdem findet ihr im norden noch die costa paradiso
von santa teresa (ganz im norden) der küstenstraße nach süden folgen.
nach ca. 30 km der beschilderten straße "costa paradiso" folgen (die km angaben sind meist gelogen)
jetzt nach ca. 5 km erreicht man endlich die küste. von hier geht ein sehr schöner fußpfad in südlicher richtung am meer entlang (ca. 500m)
macht Spaß wenn ihr einen überladenen frühstücks-korb dabei habt und die sonne beim frühstücken anlachen wollt.

der süden und die hauptstadt:
zwischen dem capo teulada (südlichster punkt sardiniens) im westen, und der ortschaft pula im osten, erstreckt sich die costa del sud.
hier findet man zahlreiche kleinere und größere buchten im wechselspiel mit felsigen landzungen.
wenn man der sehr kurvenreichen küstenstraße folgt, bieten sich unvergessliche anblicke der farbenpracht des granits, des sandsteines und des azurblauen meeres, vom wind zerzauste felsen (wie alles hier auf der insel), traumhafte buchten und vom klaren wasser umspülte felsen.
was mir besonders gefallen hat im süden ist die isla sant-antioco
ich war hier schnorcheln und auch hier ist das wasser SUPER!
diese insel unterhalb sardiniens ist eine 2800 jahre alte phönizische gründung.
man kann bequem mit dem auto über eine (sehr schmale) brücke fahren.
überhaupt sind viele dinge in sardinien nur provisorisch und einiges (oder vieles) ist irgendwie in keiner karte zu finden....
deshalb solltet ihr selber entdecken und euch nicht auf karten und auf keinen fall auf verkehrsschilder verlassen icon_wink.gif

hier im süden ist auch die hauptstadt cagliari
in der via sardegna reiht sich ein restaurant ans nächste - von kleinen billigen trattorien bis hin zu gourmetrestaurants, hier findet sich für jeden geschmack und geldbeutel das richtige. viele geschäfte laden in der altstadt zum bummeln ein und in der breiten hafenpromenade via roma kann man einkaufen und unter den schatten spendenden arkaden flanieren. noch empfehlenswerter zum einkaufen ist die via manu. natürlich hat cagliari auch seine schattenseiten. als allererstes hat mich wirklich gestört, das diese wunderbaren alten häuser und türme mit grafitti beschmiert sind, und die stadt das nicht pflegt. eine echte schande und schade um diese sonst so wunderschönen alten türme und kathedralen.
ausserdem ist cagliari weit entfernt vom sardischen lebensstil - es ist eine hafenstadt, die hauptstadt der insel und man merkt deutlich, dass es hier anders zugeht als in den gemütlichen dörfern. wenn ihr in cagliari seit, solltet ihr das castell besuchen. von hier aus habt ihr den allerbesten blick über die komplette stadt. das gebäude ist sehr hoch und ihr solltet schwindelfrei sein. der eintritt ist frei und ihr müsst lediglich die vielen holztreppen hochgehen. zum schluss tragt ihr euch ins gästebuch ein. zwischen hafen und kastell erstreckt sich die marina, das alte hafenviertel, dieses alte fischer- und matrosenviertel ist voller leben und aus geöffneten türen und fenstern dringt musik und stimmengewirr.
wenn ihr in cagliari bergauf fährt habt ihr bessere aussicht und mehr ruhe.
ausserdem hab ich noch einen geheimtipp:
wenn ihr vom kastell gesehen rechts fährt, bergauf, und der strasse folgt bis ihr durch den rundbogen fährt, ist auf der linken seite etwas ausserhalb ein superschönes cafe, auf einer terasse voller blumen gelegen. hier habt ihr einen schönen ausblick und im renescaince-stil erbaute pavillons schützen euch vor der heißen sonne. super idyllisch.
ansonsten war ich nur einen tag in cagliari und es war ok für einen besuch. urlaub machen möchte ich dort aber nicht, da hat sardinien weit mehr zu bieten.

ich bin dann weiter gefahren, richtung osten. irgendwo zwischen der costa rej und cagliari steht auf einem berg ein geisterhaus, riesig gross und im kolonialstil erbaut. warum da keiner wohnt...keine ahnung. jedenfalls für einmal schlafen genau richtig (man muss einfach oft anhalten, weil man das detail sardiniens erst beim stehenbleiben erkennt)
das war irgendwo bei porto s.stefano ganz im südosten.
wenn man den berg hochklettert kann man von ganz oben die isola dei cavoli sehen, ist aber etwas gefährlich und eher für freaks, war aber super die aussicht.

weiter richtung osten gefahren kam ich dann an der costa rej an, der königs-küste.
was ihr hier geboten bekommt ist der hammer, strände so fein wie weizenmehl typ 405 und wasser wie frisches selters...
hier sind natürlich ein paar leute mehr als im wilden westen der insel, allerdings nur für sardische verhältnisse und das ist immernoch nicht viel. grundsätzlich findet man in sardinien immer ein plätzchen für sich.

wie ihr seht, ist die insel wirklich ein kontinent. es gibt soviel zu sehen, das es sich eigentlich nur mit dem auto/motorad lohnt.
wegen der vielfalt ist sardinien "zu schade" für typische 1-woche 4*** all-incluse-touristen, die den ganzen tag an der bar sitzen um das geld für die all-inclusive pauschale mit snacks und überflüssigen mahlzeiten wieder "reinzufressen"

ihr braucht zeit und muße, wenn ihr dieses archaisch anmutende land und seine menschen verstehen lernen wollt.

auf stillen wanderungen beginnt die spröde landschaft ihren ganz eigenen reiz zu entfalten. ein schattiger steineichenwald, der aromatische duft der zistrosen (und anderer wilden kräuter), der weite blick über sommerlich ausgeglühtes weideland, der ferne glockenklang von weidetieren und die einsame hirtenhütte.
nicht zu vergessen der türkisblau irisierende ozean ...

wer auf sardinien das zweite italien sucht, wird nicht fündig. wer ruhe und erholung sucht, und eine kultur die eigentlich nirgends einzuordnen ist, weil sie so unberührt über die jahrtausende geblieben ist, dem kann ich sardinien uneingeschränkt empfehlen.
so muss das mittelmeer zur zeit der freibeuter gewesen sein.

zu den menschen:

die sarden sind etwas anders als die italiener auf dem festland (natürlich gibt es immer ausnahmen)
alles im allen, sie sind sehr herzlich aber auch schnell beleidigt. blutrache ist eine spezialität sardiniens icon_smile.gif
man wird nicht so schnell "warm" mit ihnen wie zb auf dem festland in süditalien, das misstrauische kommt wohl aus der vergangenheit, wo die einwohner immer wieder von fremden mächten heimgesucht wurden.
Furat chie venit da'e su mare, übersetzt "das schlechte kommt vom vom meer" - so heisst ein sardisches sprichwort. (bezogen auf piraten usw)
aber wenn mal einmal eine einladung bekommt, dann nimmt man es sehr persönlich.
achtung: das gilt nicht für stadtbewohner icon_smile.gif

ich beziehe mich auf alte fischer bzw. einheimische die auf irgend einem berg wohnen. ich habe mich an der costa rej mit einem restaurantbesitzer angefreundet, der hat mich mit zu seinem freund mitgenommen. der freund war 70 jahre alt, 1,85m gross fit wie ein turnschuh und kräftig gebaut. er vermietete pferde und reitete wie apollon selbst. er hatte schneeweisse lange haare bis zum hintern und erinnerte mich irgendwie an einen indianer, jedenfalls war das kein italiener sondern ein echter sarde. es besteht wirklich ein unterschied. naja, da ich ihm nichts abschlagen konnte (beleidigung) hab ich seinen selbstgemachten wein schön brav getrunken (war superstrong!!! - aber lecker)
das essen ist auch superlecker, aber halt nicht unbedingt italienisch, eher mediterran im allgemeinen sinn.

an der küste wird mit dem gekocht, was die fischer einholen:
sardinen, thunfisch langusten. die hirten und bauern im inneren der insel verwenden produkte der agrar- und weidewirtschaft: getreide, bohnen, tomaten, kartoffeln, auberginen.

fleisch, milch und käse von den schaf- und ziegenherden, denen eine buschige macchia aus rosmarin, thymian, wildem fenchel, wacholder, minze und myrte als nahrung dient. über das meer kamen weitere gewürze wie orangenblütenwasser, zimt, muskatnuss und safran nach sardinien.

als ich das erste mal da war, habe ich 6 wochen dort verbracht, eine tolle zeit.
alles liebe

marcello

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Zuletzt bearbeitet von Marcello am 27.05.2010 11:07, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Sarafina


Beiträge: 22
Anmeldungsdatum: 20.02.2005 19:43
Wohnort: Ruhrgebiet
Verfasst am: 15.03.2005 23:02
Titel: Sardinien
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Hallo Marcello,
ich kann dein Posting nur bestätigen. Wir ( mein Mann und ich) waren letztes Jahr auch auf Sardinien. Wir sind mit einem Billigflieger hingeflogen. Das kann ich nur empfehlen icon_smile.gif) Vor 10 Jahren war ich mit meiner Familie auch schon mal da. Aber mit Auto und Fähre icon_sad.gif. Ich weiß nicht wie lange wir unterwegs waren. Ich weiß nur. NIE WIEDER!!! MIt dem Flug in knapp 2 Stunden. Wir waren an der Ostküste in Budoni. Das ist ein sehr schöner kleiner Ort. Mit allem was man braucht. Wir haben uns übers Internet ( wie alles andere auch) eine Ferienwohnung gemietet. Und da wir einfach nur ausspannen wollten, haben wir uns leider nicht wirklich die Insel angeguckt. Ausnahme war eine Busfahrt nach Olbia. Hier haben wir ganz kleine wunderschöne Einblicke gewonnen. Wir werden auf jeden Fall noch mal nach Sardinien fahren und uns dann tatsächlich die Insel angucken.

Da wir absolute Reisefans sind, haben wir auch eine HP wo man all unsere Urlaube angucken kann. Hier gibt es Reiseberichte und natürlich Fotos. Also wer mal schnüffeln will klick sich unter [url]www.starborg.de [/url]ein.

LG: Sarafina

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Hinter jeder dunklen Wolke verbirgt sich ein Lächeln der Sonne.
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Marcello
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Beiträge: 880
Anmeldungsdatum: 09.02.2004 02:27
Verfasst am: 16.03.2005 02:20
Titel:
Diesen Beitrag zitieren
hallo sarafina

ich fand es wirklich toll mit dem auto.
ich bin hier von norddeutschland mit dem auto nach livorno gefahren, einmal in freiburg geschlafen (im auto) dann weiter nach livorno und dann auf die fähre.
war ein ganz schönes stück fahrt muss ich zugeben, aber bei 6 wochen urlaub kann man 2 tage für die fahrt investieren.

bei mir fängt der urlaub ja schon mit der reise an, und das euphorisierende gefühl "aufzubrechen" ist für mich der schub den ich brauche, vielleicht wie andere beim fallschirmspringen adrenalin bekommen icon_wink.gif

allerdings muss ich fairerweise sagen das ich nicht mit familie hinfahre und auch keine kinder habe. das stell ich mir dann schon anstrengender vor ...

wenn ich mir vorstelle ich wär an einem ort gebunden, wär ich bestimmt nicht so begeistert, aber wenn man sich einfach ausruhen will, dann ist sardinien bestimmt eine gute wahl.

deine seite schau ich gleich mal an

viele grüße und danke für das feedback
marcello

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